Lust auf mehr: Modellversuche

„Verbesserung der Zielgenauigkeit und Effizienz
der beruflichen Erstausbildung durch Bedarfsermittlung,
mehrdimensionale Flexibilisierung und Erfolgsrückmeldung“

Der Modellversuch mit einer Laufzeit vom 01.04.2000 bis zum 31.03.2004 wurde von der Infracor GmbH, Degussa Gruppe, durchgeführt und durch das Bundesinstitut für Berufsbildung mit Mitteln des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.


Ausgangspunkt für den Modellversuch war der sich abzeichnende Wandel der Konzernstruktur von Industrieunternehmen hin zum Verbund von Einzelgesellschaften, der auch Fragen nach adäquaten Ausbildungsinhalten und einer situationsangepassten Organisation der (über)betrieblichen Ausbildung aufwirft.

Der Modellversuch geht dabei von folgenden Positionen aus: Effektiv ist eine Berufsausbildung aus der Sicht der Betriebe dann, wenn sie den betrieblichen Belangen und Besonderheiten der Betriebe bzw. Einzelgesellschaften Rechnung trägt (Orientierung der Ausbildungsinhalte am betrieblichen Bedarf; Orientierung der Ausbildungsorganisation an den betrieblichen Möglichkeiten) und die individuellen Kompetenzen der Auszubildenden (z.B. im intellektuellen Bereich, in den praktischen Fertigkeiten, in der Teamarbeit) erfolgreich gefördert und sinnvoll ergänzt werden. Diese Zielsetzung zu verwirklichen, erfordert eine erhöhte Flexibilität im inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Bereich. Effizient ist andererseits die Berufsausbildung, wenn die Ausbildungsziele mit einem für die Ausbilder und Betriebe vertretbaren zeitlichen und finanziellen Aufwand realisiert werden.

Die intendierte Umsetzung einer flexibleren Gestaltung der betrieblichen Ausbildung wirft drei Fragenkomplexe auf, die sich auch im Text der revidierten Norm für Qualitätsmanagementsysteme DIN ISO 9000:2000 widerspiegeln.
(1) Bedarf: Welche (Schlüssel-) Qualifikationen sind für eine am betrieblichen Bedarf und am Fähigkeitsprofil der Auszubildenden orientierte Ausbildung zu fördern? Mit welchen Methoden lassen sich diese Qualifikationen am besten vermitteln?
(2) Organisation: Wie ist ein flexibles, an den betrieblichen Belangen und Besonderheiten sowie am Fähigkeitsprofil der Auszubildenden orientiertes Ausbildungsangebot zu organisieren?
(3) Interne Evaluation: Wie lässt sich der Ausbildungserfolg untersuchen, dokumentieren und zur didaktisch-methodischen Feinsteuerung der Ausbildung an die Ausbilder sowie zur Intensivierung der Lernanstrengungen an die Auszubildenden zurückmelden?

Während die Frage nach den (Schlüssel-) Qualifikationen die Bedarfe der Betriebe (Kunden) reflektiert, die Organisation des Ausbildungsangebotes und die Umsetzung der Methoden im Ausbildungsmanagement und -prozess verankert sind, beschreibt die interne Evaluation und Feinsteuerung des Ausbildungsangebotes die Messung, Analyse und kontinuierliche Verbesserung der Ausbildung.

Der Modellversuch ist nicht spezifisch für die Chemische Industrie. Die im Modellversuch zu entwickelnden Methoden und Instrumente eignen sich sowohl für den Einsatz in mittelständischen, wie in Großbetrieben der verschiedensten Branchen.

Ansprechpartner : Jürgen Bombeck, Michael Dopheide, Dr. Hans Jürgen Metternich, Ludger Schröder, (Infracor GmbH, Naturwissenschaftlich-Technische Aus- und Weiterbildung, Paul-Baumann Straße 1, 45772 Marl), Markus Werthebach (Gesellschaft für Managementberatung und Arbeitsgestaltung, Lünen)
 

Modellversuch zur Verbesserung der Teamfähigkeit
von Chemikanten, Papiermachern, Industriemechanikern
und Prozessleitelektronikern / Energieelektronikern
für die gemeinsame Bewältigung von Produktionsprozessen .

Der Modellversuch wurde in den Jahren 1994 bis 1999 von der Infracor GmbH (Degussa), Marl, und dem Papiermacherzentrum Gernsbach durchgeführt und vom Bundesinstitut für Berufsbildung mit Mitteln des BMBF gefördert.


In der Chemischen Großindustrie, die sich durch komplexe Umwandlungsprozesse, überwiegend kontinuierliche Prozessverläufe, eine Mechanisierung des Materialflusses von der Rohstoffzufüh-rung bis zur Produktentnahme und den Einsatz von Prozessleittechnik kennzeichnen lässt, ent-spricht die strenge Arbeitsteilung zwischen Produktionsfachkräften und Instandhaltern nicht mehr den betrieblichen Erfordernissen.

Ziel des Modellversuches war es vor diesem Hintergrund, die praktische Zusammenarbeit von Produktionsfachkräften und Instandhaltern über den Instandhaltungsfall hinaus zu verbessern. Chemikanten, Industriemechaniker und Prozessleitelektroniker sollten die Aufgabenbereiche, Fachbegriffe, Arbeitsvorgänge, Fertigkeiten und Lernerfahrungen der jeweils anderen Berufsgruppen kennen lernen, ohne jedoch die getrennten Aufgabenbereiche der drei Berufsgruppen aufzuheben. Chemikanten, Industriemechaniker und Prozessleitelektroniker sollten ein polyvalentes Produktions- und Instandhaltungsteam bilden, das ständig auf einer Schicht zusammenarbeitet.
Der Modellversuch zeigte, dass die gemeinsame Ausbildung der genannten Berufe in berufsübergreifend zusammengesetzten Gruppen  zu deutlich verbesserten Einstellungen und Werthaltungen gegenüber interdisziplinärer Teamarbeit führt. Auch die notwendige enge Kooperation zwischen den Partnern des dualen Systems kann erreicht werden, wenn alle Beteiligten dies wollen, die Unterstützung der oberen Schulaufsichtsbehörde gegeben ist und eine gemeinsame „didaktische Jahresplanung“ die notwendigen Freiräume für interdisziplinäre, lernortübergreifende Ausbildungsprojekte schafft und organisatorisch mit allen Beteiligten abstimmt. Die Integration der beteiligten Berufsschulen in diesem Modellversuch hat gezeigt, dass prozessorientierte Ausbildungskonzepte zur berufsfeldübergreifenden Teamarbeit im Rahmen dualer Berufsausbildung erfolgreich verlaufen und einen Beitrag zu einer gestaltungsoffeneren, kundenorientierten Bildungsoffensive leisten können.
Aufgrund des positiv verlaufenen Modellversuchs, wurden die entwickelten „Bausteine für eine berufsübergreifende Ausbildung“ zwischenzeitlich in die Regelausbildung des Betriebes übernommen, da sich gezeigt hat, dass mit dem Konzept der berufsübergreifenden Teamarbeit eine deutliche Verbesserung interdisziplinärer Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, Arbeitszufriedenheit und hohe Arbeitsproduktivität erreicht werden kann.

Ansprechpartner : Jürgen Bombeck, Antonius Kappe, Dr. Günther Kubik, Dr. Hans Jürgen Metternich, Ludger Schröder, Andre Waasdorp (Infracor GmbH, Naturwissenschaftlich-Technische Aus- und Weiterbildung, Paul-Baumann-Straße 1, 45772 Marl), Markus Werthebach (Gesellschaft für Managementberatung und Arbeitsgestaltung, Lünen)

 

Modellversuch „Qualifikationsbedarfsermittlung und Gestaltung
einer geschäftsprozessorientierten flexiblen Berufsausbildung
für Laboranten kleiner und mittlerer Unternehmen (GEFLEX)“

Der Modellversuch nimmt die Herausforderungen an die Chemiewirtschaft durch technologischen und organisatorischen Wandel sowie Produktdifferenzierung und gestiegene Qualitätsansprüche auf. Diese ziehen erhebliche Konsequenzen für die Inhalte, Prozesse und Strukturen beruflichen Lernens nach sich. Zugleich lassen sich die komplexer werdenden Arbeits- und Gestaltungsprozesse nur durch Lernprozesse bewältigen. Die neuen Anforderungen fanden bereits Berücksichtigung bei der Neuordnung des Berufsbildes "Chemielaborant/-in", die die Prozessorientierung zum Kern hat. Leitbild moderner Berufsbildung ist die Befähigung zur erfahrungs- und wissensbasierten Mitgestaltung der Arbeitswelt. Die Nutzung des Arbeitsprozesses als berufspädagogisch-didaktische Kategorie steht jedoch noch am Anfang. Sie ist ohne die Entwicklung differenzierter Formen arbeitsprozessorienten Lernens, ohne didaktische Aufbereitung, Begleitung und Unterstützung nicht denkbar.

Arbeitsprozessorientiertes Lernen wird als eine Möglichkeit gesehen, die Barriere zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung zu überwinden. Sollen aus Arbeits- und Lernerfahrungen berufliches Wissen und berufliche Einsichten erwachsen, dann kommt es ganz entscheidend darauf an, Arbeitserfahrungen zu kommunizieren und zu reflektieren. Das Kommunizieren und Reflektieren von Arbeitserfahrung wird in der beruflichen Bildung durch gemeinsames Denken, Handeln und Verstehen in der gleichen Praxisgemeinschaft gefördert.

Der Modellversuch GEFLEX trägt dazu bei, die Qualität der Ausbildung durch das arbeitsprozessorientierte Lernen und eine verstärkt differenzierte Lernorganisation zu erhöhen, von der Lernende, Betriebe und Kunden profitieren können. Er verbindet Arbeits-, Curriculum- und Lernanalyse mit lernortübergreifender Curriculumentwicklung und -erprobung.

Der Gestaltungs- und Forschungsansatz von GEFLEX erhöht die Praxisnähe der Ausbildung durch die enge, mit den Betrieben abgestimmte arbeitsprozessorientierte Gestaltung der Ausbildungs- und Unterrichtsprozesse. So werden Fachkräfte nicht nur qualifiziert, sondern möglichst beschäftigungsfähig gemacht. Geflex hat zur Entwicklung praktikabler Instrumente zur Ermittlung betrieblicher Qualifikationsanforderungen geführt und und zu Lernkonzepten für die Etablierung prozessorientierten Lernens in der Ausbildung einschließlich der Qualifizierung des Ausbildungspersonals.
Die Lern- und Gestaltungspotenziale von Arbeitsaufgaben für die Kompetenzentwicklung wurden erschlossen und nutzbar gemacht für die Entwicklung kontextbezogener Lern-, Arbeits- und Gestaltungsaufgaben als didaktisches Mittel für den Ausbildungsprozess. Exemplarisch für die Chemiebranche wurde so eine durchgängige didaktische Restrukturierung der Ausbildung in der Laborarbeit vorgenommen.
Ein Transfer des analytischen und didaktischen Instrumentariums in andere (Produktions-)berufe ist sinnvoll und vorstellbar.

Neben einem Zwischenbericht und dem Abschlussbericht aus dem Modellversuch liegen unter dem Titel „Lehren und Lernen in der Laborarbeit“ didaktische Unterlagen für Ausbilder vor, die 2005 im Christiani Verlag erschienen sind (ISBN 3-87125-919-5).

 

Projekt ELCH:  E-Learning für Chemieberufe

Das Projekt ELCH - e-Learning für Chemieberufe - wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderprogramms "Neue Medien in der Bildung" sowie dem Europäischen Sozialfonds. Die Projektträgerschaft übernimmt der Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt - Neue Medien in der Bildung + Fachinformation. Projektpartner sind neben der WBS die Creos GmbH, die Degussa AG, Provadis sowie SkillTime. Wissenschaftlich wird das Projekt begleitet vom Heinz Nixdorf Institut an der Universität Paderborn. Die beiden Chemiesozialpartner BAVC und IG BCE unterstützen beratend das Vorhaben.   Das Projekt ELCH für elektronisches Lernen für Chemieberufe bietet interessierten Unternehmen einen einfachen Zugang zu elektronischen Lernlösungen chemiebezogener Inhalte. Die Lerneinheiten orientieren sich eng an den Ausbildungsordnungen typischer Berufsbilder der Branche wie Chemielaborant, Chemikant, Pharmakant, Industriemechaniker, Anlagenmechaniker. Jedes Lernmodul wird mit einer Kurzbeschreibung eingeleitet, die direkt auf entsprechende Berufsordnungen Bezug nimmt und darüber hinaus die Zielgruppe, die Eingangsvoraussetzungen, das Lernziel sowie die Bearbeitungsdauer angibt. Durch ihren modularen Aufbau und ihren fachübergreifenden Charakter bieten sich die Lernlösungen für einen flexiblen Einsatz in der Aus- und Weiterbildung verschiedener naturwissenschaftlicher und technischer Berufe an.   Zu folgenden Inhaltsbereichen werden Lernmodule entwickelt:

  • Rohrsystemtechnik
  • Grundlagen der Betriebsanalytik
  • Filtration / Rektifikation
  • Angewandte Mathematik für naturwissenschaftliche und technische Berufe

Als zusätzliches Angebot wird mit dem Portal ein Überblick über bereits bestehende oder sich im Aufbau befindende, thematisch verwandte E-Learning-Lösungen und ähnliche Projekte gegeben. So erhalten die Unternehmen der Branche eine Orientierung über die am Markt verfügbaren Angebote, um Ihr individuelles Lernprogramm zusammenstellen zu können.  Sie erreichen das Internet-Portal unter folgender Adresse:

http://www.e-learning-chemie.de/

 

Seitenanfang Druckversion Letzte Aktualisierung: 23.10.2007