Fortbildung: Industriemeister Chemie
Differenziertes Rollenbild des Meisters
Globalisierung, Internationalisierung und Unternehmenszusammenschlüsse bilden neue Bezugsgrößen. Damit einher geht vielfach eine Änderung der Arbeitsorganisation: Weg von der traditionellen Funktionsorientierung – hin zur teamorientierten Ausrichtung an Prozess- oder Wertschöpfungsketten. Verbunden mit der Abflachung der Hierarchien nimmt die Verantwortung der Meister zu, der Verantwortungsbereich wird breiter. Neben Fach- und Methodenkompetenz gewinnen Sozial- und Kommunikationskompetenz an Bedeutung.
Die Sozialpartnern haben im Vorfeld der Novellierung auf der Grundlage von Erfahrungen aus der Praxis folgendes Rollenbild formuliert:
- Der Industriemeister Chemie bleibt auch in Zukunft das „Bindeglied“ zwischen der Unternehmensführung und den Belegschaften. Seine Rolle ist dabei nicht nur die des fachlich kompetenten Vorgesetzten. Vielmehr stellen sich auch vermehrt Anforderungen in Sachen Führung, Information und Kommunikation.
- Der Meister muss zunehmend eine Rolle als Förderer, Entwickler und Unterstützer seiner Mitarbeiter wahrnehmen. Er übernimmt verstärkt die Rolle eines „Coachs“.
„Den Meister“, mit einem fest umrissenen Funktionsprofil, gibt es nicht mehr. So sind Meister z.B. im Bereich der Automatisierung und Prozessleittechnik, der chemischen Technologie, der Syntheseplanung oder im Betriebscontrolling tätig. Sie arbeiten auf Tagschicht oder im Schichtbetrieb. - Organisatorische und administrative Aufgaben gewinnen dabei an Bedeutung. Dies sind auch Bereiche, die für die Fortbildung der Meister selbst zukünftig eine Rolle spielen könnten. Dies um so mehr, als sich abzeichnet, dass sich aus dem Bereich der Fachhochschul-Ingenieure, aber auch der Bachelor-Absolventen ein neues Potenzial auftut, das zumindest in Teilbereichen dem „klassischen Meister“ in Zukunft Konkurrenz machen könnte.
Der Meister in der heutigen Zeit muss also über Handlungskompetenz hinsichtlich Fachwissen, Kommunikation, Organisation, Kooperation, Führung verfügen.
Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz ist zentrales Ziel der Meisterausbildung und umfasst:
- Fachkompetenz als die Befähigung, betriebliche Probleme zu lösen und Aufgabenstellungen selbstständig und fachlich richtig zu bearbeiten
- Methodenkompetenz als die Entwicklung der dazu notwendigen Strategien
- Lernkompetenz als in Verbindung mit der Methodenkompetenz stete Bereitschaft und Fähigkeit zur beruflichen Flexibilität und Fortbildung
- Human- und Sozialkompetenz als eine allgemeine Kommunikationsfähigkeit, der in Hinblick auf Teamarbeit, Einsatz von Kommunikationstechnologie und der Notwendigkeit, international zu kommunizieren, Bedeutung zukommt
Gestaltung der Fortbildung
Bei der Neuordnung des Industriemeisters Chemie wurden die beschriebenen Anforderungen aufgenommen und auf die derzeitige und zukünftig zu erwartende Situation zugeschnitten.
Was ist Neu?
Die Fortbildungsordnung ist technikoffen, organisationsneutral und so flexibel gestaltet, dass sie den beschriebenen geänderten Bedingungen Stand halten bzw. unkompliziert angepasst werden kann.
Mit einem Wahlbereich eröffnet die neue Verordnung, die Möglichkeit, sich für spezielle Einsatzbereiche zu qualifizieren. Hierdurch wird die Möglichkeit geschaffen, das Fortbildungs¬profil am individuellen Praxisbezug auszurichten.
Prozessorientierung, d.h. Handlungskompetenz entlang der Prozesskette, hat einen zentralen Stellenwert in den Prüfungsanforderungen.
Die Prüfung wird – durch Situationsaufgaben – so gestaltet, dass die Fähigkeit zur Anwendung und Verknüpfung von theoretischem Wissen aus verschiedenen Fachbereichen mit beruflichen Erfahrungen und Handlungsstrategien erfasst wird. Die Abfrage von fachsystematischem Wissen, losgelöst vom Bezug zu beruflichem Handeln, spielt keine Rolle mehr.
Die Prüfungsanforderungen der neuen Verordnung spiegeln sich auch in den Rahmenplänen für Lehrgänge zur Prüfungsvorbereitung wieder. Die Lehrgänge sollten durch Handlungsorientierung darauf ausgerichtet sein, die Vernetzung der verschiedenen Kompetenzen praxisnah zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht also nicht die Vermittlung von umfangreichem neuen Wissen, sondern die Anwendung und Verknüpfung von theoretischem Wissen und beruflichen Erfahrungen.
Das allgemeine Lernziel für den künftigen Meister lautet dabei
- Arbeitsaufgaben analysieren
- Arbeitsaufgaben strukturieren und
- Arbeitsaufgaben begründet lösen und
- die Ergebnisse aller Teilschritte und die Lösung vermitteln und dabei situationsbezogen die passenden Präsentationstechniken anwenden
Was folgt für die Gestaltung der Bildungsprozesse?
Die neue Verordnung erfordert angepasste Formen der Lehrgangsgestaltung zur Vorbereitung auf die IHK-Prüfung. Die methodische Form der Handlungsspezifität muss im Bildungskonzept Berücksichtigung finden und der Bezug zur eigenen beruflichen Handlung muss hergestellt werden können.
Eine ausführliche Darstellung finden Sie unter Menüpunkt "Rahmenlehrplan"