Produktionsfachkraft Chemie: zur Neuordnung 2005
Zum 1. August 2005 ist die Ausbildungsordnung zur "Produktionsfachkraft Chemie" in Kraft treten. Sie löst die aus dem Jahr 1938 stammende Verordnung zum Chemiebetriebswerker ab. Mit dieser Neuordnung wird eine Lücke zwischen dem Förderprogramm "Start in den Beruf" der Chemie-Sozialpartner , das junge Menschen in einer Vorbereitungsphase zur Aufnahme einer geregelten Ausbildung befähigen soll und dem Facharbeiterberuf Chemikant/in mit seiner dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit geschlossen.
Im Zentrum der Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie steht die Befähigung, Anlagen zur Herstellung und zur Verarbeitung nach Anweisungen und Vorgaben im Bereich der chemischen Industrie zu fahren und zu warten.
Hohe Praxisorientierung
Neben den während der gesamten Ausbildungszeit zu vermittelnden "integrativen" Qualifikationen (Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht, Arbeitsorganisation und Kommunikation, Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes sowie "Responsible Care") sind folgende Inhalte Gegenstand der
- Einsetzen von Energieträgern (4 Wochen)
- Umgehen mit Arbeitsgeräten und -mitteln (8 Wochen)
- Umgehen mit Arbeitsstoffen, Bestimmen von Stoffkonstanten (18 Wochen)
- Verfahrenstechnische Grundoperationen (18 Wochen)
- Installationstechnik (6 Wochen)
- Warten und Instandhalten betrieblicher Einrichtungen (14 Wochen)
- Messtechnik (8 Wochen)
- Bedienen von Anlagen (12 Wochen)
- Herstellen und Verarbeiten von Produkten (16 Wochen).
Aus den sachlichen und zeitlichen Vorgaben wird deutlich, dass die Bereiche der Anlagenbedienung und des Produzierens mit über einem halben Jahr Ausbildungszeit klar im Vordergrund stehen.
Basis Chemikant
Ausgehend vom Berufsbild des Chemikanten wurden die theoretischen Anforderungen sowohl vom Schwierigkeitsgrad (Taxonomie) als auch vom Umfang her inhaltlich "abgespeckt". So fehlen z.B. eine Reihe von naturwissenschaftlichen und verfahrenstechnischen Inhalten im Bereich der Arbeitsstoffen und der Grundoperationen. Entfallen ist auch der Bereich der Elektrotechnik sowie das Steuern und Regeln.
Dem gegenüber sind die Praxisanteile deutlich erhöht worden, insbesondere im Bereich Warten, Instandhalten, Bedienen, Herstellen und Verarbeiten. Die Produktionsfachkraft Chemie soll in einem Herstellungs- oder Verarbeitungsverfahren auf diese Weise vertiefte Fertigkeiten und Kenntnisse erwerben und diese sicher anwenden können. Der Anspruch des selbstständigen Planens, Durchführens und Kontrollierens wurde in diesem Zusammenhang durch den Hinweise auf Arbeiten nach Vorschriften, nach Anweisungen oder nach Arbeitsplan entsprechend eingegrenzt.
Zielgruppen
Beschäftigungschancen bietet der neue Ausbildungsberuf insbesondere im Bereich der kleineren und mittleren Unternehmen sowie in Unternehmen, deren Produktionsprozesse geringere naturwissenschaftliche, produktions- und verfahrenstechnische Kenntnisse und Fertigkeiten voraussetzen. Das Berufsbild ist auf solche Jugendliche zugeschnitten, deren Begabung insbesondere in der praktischen Tätigkeit und weniger auf dem theoretischen Gebiet liegt.
Fortsetzung der Ausbildung
Sofern Jugendliche eine Ausbildung zum Chemikanten anschließen, empfehlen die Sozialpartner in einer gemeinsamen Erklärung die Anrechnung des ersten Ausbildungsjahres.