Überblick Ausbildungsberufe
In Unternehmen der chemischen/pharmazeutischen Industrie werden junge Menschen in einer Vielzahl von Berufen ausgebildet.
Auszubildende nach den 20 häufigsten Ausbildungsberufen in der chemischen Industrie (2008)
Quelle: BAVC-Ausbildungstatistik 2008
Die "TOP-20" der Ausbildungsgänge entsprechen 21.096 Auszubildenden oder 86% aller erfassten Auszubildenden.
Branchentypische Ausbildungsberufe sind die „Laborberufe“ Chemie-, Biologie und Lacklaborant/in mit einer Ausbildungsdauer von 3,5 Jahren und die „Produktionsberufe“ Chemikant/in, Pharmakant/in mit einer Ausbildungsdauer von 3,5 Jahren sowie die Produktionsfachkraft Chemie mit einer Ausbildungsdauer von 2 Jahren, Als branchentypische Fortbildungsregelungen sind die Industriemeister/in der Fachrichtungen Chemie, Fachrichtung Pharmazie sowie Kunststoff und Kautschuk zu nennen.
Bei der Ausgestaltung dieser Aus- und Fortbildungsberufe kommt den Sozialpartnern IGBCE und BAVC eine maßgebliche Rolle zu. Auf ihre Initiative hin wurden alle Ausbildungsberufe und der Industriemeister - Fachrichtung Chemie im Laufe der vergangenen Jahre in Kooperation mit Sachverständigen aus der betrieblichen Aus- und Weiterbildungspraxis und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) modernisiert.
Kennzeichnend sind
- Wahlelemente für die 3,5jährigen Ausbildungsberufe und den Industriemeister - Fachrichtung Chemie
- Berufsübergreifende Qualifikationen
- Stärkung der Handlungs- und Prozessorientierung
- organisationsneutrale, technikoffene Beschreibung der Lernziele und Prüfungsanforderungen
- Responsible care in allen neuen Aus- und Fortbildungsordnungen
- Fremdsprachen in allen Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen für 3,5 jährige Berufe
- Gestreckte Abschlussprüfung für alle 3,5 jährigen Berufe
- Lernfelder im Berufsschulunterricht
- Empfehlung zur Bildung von Fachklassen bereits im ersten Ausbildungsjahr für alle Berufe
- Verzahnung von Aus- und Weiterbildung
Wahlelemente, im Bereich der Ausbildungsberufe als Wahlqualifikationen, im Bereich der Fortbildung als Spezialisierungsgebiete bezeichnet, ermöglichen es, die Aus- bzw. Weiterbildung an den betrieblichen Qualifizierungsbedarf anzupassen.
Mit der offenen Formulierung der Lernziele und Prüfungsanforderungen wird das exemplarische Erlernen von berufstypischen Qualifikationen aus betriebsspezifischen Handlungssituationen ermöglicht. Damit kann die Ausbildung leichter an betrieblichen Arbeitsplätzen bzw. im Kontext betrieblicher Aufgaben durchgeführt werden.
Der Themenbereich „Verantwortliches Handeln im Betrieb - responsible care“ stellt eine Besonderheit der Aus- und Fortbildungsregelungen im Bereich Chemie/Pharmazie dar. „Responsible Care“ ist eine weltweite Initiative der chemischen Industrie. Die Unternehmen verpflichten sich, im offenen Dialog mit Mitarbeitern, Kunden und Öffentlichkeit ihre Leistungen für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz kontinuierlich zu verbessern – unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben.
„Responsible Care - betriebliche Maßnahmen zum verantwortlichen Handeln“ steht in engem Bezug zum Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung und umfasst eine soziale, eine wirtschaftliche und eine ökologische Dimension, die auf vielfältige Weise miteinander vernetzt sind. Dass die Intention des „Verantwortlichen Handels“ mit seinen verschiedenen, miteinander verflochtenen Dimensionen in der Praxis verstanden und gelebt wird, zeigen die Ergebnisse der Ausbilderwettbewerbe „responsible care“, die von IGBCE und BAVC durchgeführt wurden.
Das Anwenden von Fremdsprachen bei Fachaufgaben ist als Qualifikationseinheit ausdrücklich in allen Ausbildungsordnungen für die 3,5 jährigen Ausbildungsberufe verankert, findet seine Entsprechung in den schulischen Rahmenlehrplänen und trägt der Internationalisierung Rechnung. Durch die Wahlqualifikation „Internationale Kompetenz“ kann dieser Aspekt noch vertieft werden.
Der Wunsch, den Prüfungsaufwand zu minimieren und die Lernintensität zu verstetigen, war ausschlaggebend, für alle 3,5 jährigen Ausbildungsberufe die Gestreckte Abschlussprüfung (GAP) zu erproben*. Mit der GAP entfällt die nicht bewertete, lediglich der Lernstandskontrolle dienende Zwischenprüfung zugunsten eines ersten, bewerteten Teils der Abschlussprüfung.
In den berufsbezogenen Vorbemerkungen der Rahmenlehrpläne wird empfohlen, möglichst bereits im ersten Ausbildungsjahr Fachklassen für jeden der Berufe einzurichten, um den Unterricht berufsspezifisch gestalten zu können. Hierauf ist auch die Gliederung der Rahmenlehrpläne in Lernfelder gerichtet. Sie nehmen berufstypische betriebliche Handlungsfelder auf, und zielen auf die integrative Vermittlung der notwendigen Kenntnisse aus den tangierten Fachgebieten.
Verordnungstechnisch wurde den unterschiedlichen Gegebenheiten im Bereich der Labor- und Produktionsberufe Rechnung getragen: Die Laborberufe (Biologie-, Chemie-, Lacklaborant) wurden aufgrund ihrer großen Verwandtschaft und partiellen Überschneidung im Rahmen einer gemeinsamen Verordnung neu geregelt. Die Ausbildung der Produktionsberufe Chemikant/in und Pharmakant/in wird demgegenüber in eigenständigen Verordnungen geregelt, da sich die Berufe zunehmend voneinander abgrenzen und Überlappungen abnehmen.
Die Ausbildungsordnung für die zweijährige Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie, welche die Regelungen für den Chemiebetriebsjungwerker aufhebt, deckt sich in Teilen mit jener der ersten beiden Ausbildungsjahre des Chemikanten. Da die Zielgruppe für diesen Beruf Jugendliche mit wenig ausgeprägten bzw. in der Schule nicht entwickelten Fähigkeiten im kognitiven Bereich sind, wurde darauf geachtet, die theoretischen Anforderungen verglichen mit der Ausbildung zum Chemikanten deutlich zurückzunehmen.
Die Verordnung über die Fortbildung zum Industriemeister - Fachrichtung Chemie wurde im Jahr 2004 neu gestaltet. Sie normiert, wie für Fortbildungsregelungen üblich, nur die Prüfungsanforderungen. Die Ausgestaltung von Lehrgängen, die zur Vorbereitung auf die Prüfung besucht werden können, wird im Rahmenplan beschrieben.
* Ein Zwischenbericht zur Evaluierung wurde im Januar 2004 vorgelegt, der Abschlussbericht im Sommer 2007.
